this is where i start. a second diary, for which there is no name yet. i‘d like to explicitly issue a trigger warning. people who have experienced trauma could have stressful experiences with the topic of neurodivergence / trauma.


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hier beginne ich nun. ein zweites tagebuch, für das es noch keinen namen gibt. ich möchte noch einmal explizit eine triggerwarnung aussprechen. menschen mit traumaerfahrung könnten mit dem thema neurodivergenz / trauma belastende erfahrungen machen. 


alle bilder und texte unterliegen dem urheberrecht, sie sind mein geistiges und materielles eigentum. / all images and texts are subject to copyright, they are my intellectual and material property.

11/11/22. as i write the date, i think: i chose a nice date for my first entry, because while writing i noticed the harmony of the numbers, in every sense. equations can be made from them, there is a duplication and they are the numbers of a dual system; they can be arranged symmetrically and in checksums in various ways. in short: there is plenty of room to play with these numbers in my mind. i also find my favorite number there, 12. i‘ve never been able to explain exactly why this is my favorite number, i just feel it and it belongs to me.

actually i have no relationship to numbers. i neither assign them colors, nor days, nor a pictorial idea in my perception. i was never good at math, precisely because i lack this ability for abstraction and imagination. but because numbers are also pictures, signs, i can use them to play.

as i write, i think about whether "number" is the correct term, whether i shouldn't say "digit". i don't know, i think about it for a moment, whether i should do a search on google and decide against it right now on my keyboard. because it is my language that i use for it. a person can understand me and a correct choice of words is not really important.

during writing the second section it occurred to me that i love rows of numbers, even though i'm not really interested in the mathematical calculations and theorems behind them. the fibonacci series, for example, the golden ratio, which i recognize fairly quickly, even if - as i said - i have no mathematical imagination. it's the same with music and with harmonies of the universe or fractals. i recognize their beauty and know that they follow a rule i don't understand.

i want to show something with my flow of thoughts. what happens in my brain in the shortest possible time when i look at a few meaningless signs that come together in me. i do it for myself to document myself. and it's for something i don't know yet.

i kept asking myself why i needed this semi-anonymous, virtual space to express myself. i don't know that either. it seems to me that i might be venturing into the light while i'm writing on a black background. that i want to be honest and put together the fragments of my innumerable diaries that i have started in order to understand and gain knowledge.

my willingness to associate is a lovely power and it costs me more energy than i have. because the constant thinking cannot be stopped. only when painting.

in addition, i am often silent while i am thinking. because on the one hand i need days, sometimes weeks, to come to a conclusion, a decision. during the outer silence i am very restless, my hands have to be in motion and most of the time i walk and walk because the movement helps me.

and i've had the experience that other people can't understand my train of thought and i'm not only thinking about one thing (which for me is a lot of things) i'm also getting into explanatory thinking. in the last few years i have gotten into the habit of verbalizing a chain of associations in order to be able to make people understand why i came from the topic „forest“ to „deep sea diving“. i will definitely write about that later. it's exhausting for both sides. so i keep silent more and more. but i don't want to be silent and that's the reason why i`m maybe here now.

by the way, i started the idea of ​​a second diary at a completely different place. i‘ve been thinking about my family. in my mind were sentences: in my family of origin there was and is a lot of analytical talent. i‘ve always been creative...

 no matter where on this planet: i mostly feel strange.
but i'm not lonely. there are wonderful people in my life who understand.

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11.11.22. während ich das datum schreibe, denke ich: schönes datum habe ich mir für meinen ersten eintrag ausgesucht, denn während des schreibens ist mir die harmonie der zahlen aufgefallen, in jeder hinsicht. aus ihnen lassen sich gleichungen machen, es gibt eine dopplung und es sind die zahlen eines dualsystems; sie lassen sich auf verschiedene art symmetrisch und in  quersummen anordnen. kurz: es ist viel platz, um mit diesen zahlen im kopf zu spielen. außerdem finde ich meine lieblingszahl dort wieder, die 12. ich konnte noch nie genau erklären, warum dies meine lieblingszahl ist, ich fühle sie einfach und sie gehört zu mir. 

eigentlich habe ich keine beziehung zu zahlen. weder ordne ich ihnen farben, noch tage, noch eine bildliche vorstellung in meinem kopf zu. in mathematik war ich nie gut, eben weil mir dieses abstraktions- und vorstellungsvermögen fehlt. da zahlen aber auch bilder sind, kann ich mit ihnen spielen. 

während ich schreibe, denke ich darüber nach, ob „zahl“ der korrekte begriff ist, ob ich nicht besser „ziffer“ sagen sollte. ich weiß es nicht, überlege kurz, ob ich eine Sucheingabe bei google mache und entscheide mich gerade auf meiner tastatur dagegen. denn es ist meine sprache, die ich dafür nutze. man kann mich verstehen und eine korrekte wortwahl ist nicht wirklich von bedeutung. 

während des zweiten absatzes ist mir eingefallen, dass ich zahlenreihen liebe, auch wenn die dahinterliegenden mathematischen berechnungen und sätze mich kaum interessieren. die fibonaccireihe zum beispiel, jener goldene schnitt, den ich ziemlich schnell erkenne, auch wenn ich - wie gesagt - keine mathematische vorstellungskraft habe. so ist es auch mit  musik und mit harmonien des weltalls oder fraktalen. ich erkenne ihre schönheit und weiß, dass sie einer regel folgen, die ich nicht begreife. 

mit meinem gedankenfluss will ich etwas zeigen. das, was in kürzester zeit in meinem gehirn passiert, wenn ich auf ein paar bedeutungslose zeichen blicke, die sich in mir zu etwas zusammenfügen. ich tue es für mich, um mich selbst zu dokumentieren. und es ist für irgendwas, das ich noch nicht kenne. 

immer wieder habe ich mich gefragt, warum ich diesen halbanonymen, virtuellen raum brauche, um mich zu äußern. auch das weiß ich noch nicht. es scheint mir, dass ich vielleicht so den weg ans licht wage, während ich auf schwarzen grund schreibe. dass ich ehrlich sein will und die fragmente meiner unzähligen begonnenen tagebücher so zusammenfüge, um zu verstehen und erkenntnis zu erlangen.

meine assoziationsbereitschaft ist eine liebenswürdige kraft und sie kostet mich mehr energie, als ich habe. denn das permanente denken ist nicht zu stoppen. nur beim malen. 

hinzu kommt, dass ich oft schweige, während ich denke. denn zum einen brauche ich tage, manchmal wochen, um zu einen schluss, einer entscheidung zu kommen. während des äußeren schweigens bin ich voller unruhe, meine hände müssen in bewegung sein und meistens gehe ich und gehe, weil die bewegung mir hilft. 

und ich habe die erfahrung gemacht, dass andere menschen meine gedankengänge nicht nachvollziehen können und ich neben dem denken über eine sache (die ja für mich viele sachen sind) ich auch noch in erklärungsdenken komme. in den letzten jahren habe ich mir angewöhnt, eine assoziationskette zu verbaliseren, um meinem gegenüber verständlich machen zu können, warum ich von vom wald zum tiefseetauchen gekommen bin. darüber werde ich sicher noch schreiben. es ist anstrengend, für beide seiten. so schweige ich mehr und mehr. aber ich will nicht verstummen und deswegen, denke ich gerade, bin ich jetzt vielleicht hier. 

begonnen habe ich die idee eines zweiten tagebuches übrigens an einer völlig anderen stelle. ich habe über meine familie nachgedacht. in meinem denken waren sätze: in meiner herkunftsfamilie gab und gibt es sehr viel analytische begabung. ich war immer kreativ…..

 egal wo auf diesem planeten: ich fühle mich meistens fremd.
aber ich bin nicht einsam. es gibt wundervolle menschen in meinem leben, die verstehen.

14.11.2022. with many things, properties, phenomena i have the urge to verify. knowing that a suspected state of facts is correct. my psychologist would now reply that the reason for this lies in my childhood. and in my efforts to justify myself i would seek security for my rightness. it is not that easy. i need clarity to move on. it's that simple.

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14.11.2022. bei vielen dingen, eigenschaften, phänomenen habe ich den drang der verifikation. das wissen, dass ein vermuteter sachverhalt richtig ist. meine psychologin würde nun entgegnen, dass der grund dafür in meiner kindheit liegt. und ich in meinem rechtfertigungsbestreben sicherheit für mein richtigsein suchen würde. so einfach ist es nicht. ich brauche klarheit, um weiterzugehen. so  einfach ist es. 

12/24/2022. i‘ve many mental approaches to continue writing here. while i am walking, before sleep. they keep dissolving because it's so hard for me to grasp everything. i know that once i start writing, it's easy. but i‘m still struggling with words. i keep getting new information, against my burgeoning doubts and truths. it's like i'm dissolving because everything i've learned in the world throughout my life is slowly falling away from me and i feel such a deep exhaustion that i don't have that impulsive energy that i've often felt. comforted by the presence and conversations with very close people and by observing others who find it easier to write about their neurodivergence. this makes me sitting here with a sense of community. and waiting, knowing that the words and sentences will come, like the colors.

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24.12.2022. ich habe viele gedankliche ansätze, hier weiterzuschreiben. während ich gehe, vor dem schlafen. sie lösen sich immer wieder auf, weil es mir so schwer fällt, alles zu greifen. ich weiß, wenn ich angefangen habe mit dem schreiben, geht es einfach. doch noch ringe ich mit worten. ich informiere mich ständig neu, gegen meine aufkeimenden zweifel und wahrheiten. es ist, als würde ich mich auflösen, weil all das, was ich im laufe meines lebens gelernt habe in der welt, langsam von mir abfällt und ich eine so tiefe erschöpfung fühle, dass ich jene impulsive energie, die ich oft verspürt habe, nicht finden kann. mich trösten die gegenwart und gespräche mit sehr nahestehenden personen und die beobachtung anderer, denen es leichter fällt, über ihre neurodivergenz zu schreiben. das lässt mich mit einem gefühl von gemeinschaft hier sitzen. und darauf warten, wissend, dass die worte und sätze kommen so wie die farben. 

11/27/2022. i’ve started some books, poetry, essays, non-fiction. about my childhood, about origin, about trauma, illness, love, pedagogy. started, discarded, put away for a later point in time. hundreds of pages filled with words.
things are long ahead of me that need to be restored, patched, repaired. sometimes i manage to do it right away, in a form of self-conviction. most of the time, however, they wait, they are looked at again and again by me, my conscience speaks up and i get angry about the many, many thoughts that have made me do it and the negative feelings that i could save myself if i acted linearly. i forget them and after a long time i am able to encourage myself to do the work.
my studio is full of paintings that i would like to show. and i'm waiting for someone to come and take my hand and show me a place destined for the world.
the secrecy with which i do all this, with which i create something, shows my hyper focus, coupled with the fear of complete self-overestimation that one could notice that i only simulate. because i am inconsistent, fleeting and at the same time fixated on a project.
slowly i understand that this is my me. and always has been. that if i could take a straight path, i'm more interested in the small side paths. that my shadowland series with the countless path pictures is much more of a search than i can think.

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27.11.2022. ich habe einige angefangene bücher, lyrik, essays, sachbuch. über meine kindheit, über herkunft, über trauma, krankheit, liebe, pädagogik. begonnen, verworfen, abgelegt für einen späteren zeitpunkt. hunderte seiten gefüllt mit worten. 
dinge liegen lange vor mir, die restauriert, geflickt, repariert werden müssen. manchmal gelingt es mir, es gleich zu tun, in einer form der selbstüberzeugung. meistens jedoch warten sie, werden immer wieder von mir betrachtet, mein gewissen meldet sich und ich ärgere mich über die vielen, vielen gedanken, die mich mir dazu gemacht habe und die negativen gefühle, die ich mir ersparen könnte, wenn ich linear handeln würde. ich vergesse und nach langer zeit rede ich mir zu, es zu tun. 
mein atelier ist voller bilder, die ich gerne zeigen würde. und ich warte darauf, dass jemand kommt und mich an der hand nimmt und mir einen ort zeigt, der für die welt bestimmt ist. 
die heimlichkeit, mit der ich das alles tue, in der ich etwas erschaffe, zeigt meinen hyperfokus, gepaart mit der angst vor völliger selbstüberschätzung, dass man merken könnte, dass ich nur simuliere. weil ich inkonsistent bin, flüchtig und gleichzeitig fixiert auf ein projekt. 
langsam verstehe ich, dass das mein ich ist. und schon immer war. dass ich zwar einen geraden weg nehmen kann, mich aber die kleinen seitenwege mehr interessieren. dass meine schattenlandserie mit den unzähligen wegebildern noch viel mehr suche ist, als ich denken kann.